Informationen für Tierhaltende

Tierverhaltensmedizin und -Therapie setzt fundiertes medizinisches Wissen voraus und gehört daher in tierärztliche Hand: Verhaltenstierärztinnen haben über fünf Jahre das generelle veterinärmedizinische Studium absolviert und danach noch als Spezialisierung eine dreijährige Weiterbildung sowie die Fach-Prüfung absolviert, bis sie die Zusatzbezeichnung “Tierärztin für Verhaltensmedizin/-Therapie” führen dürfen. Die Inhalte von Weiterbildung und Prüfung sind in den jeweiligen Weiterbildungsordnungen der Landestierärztekammern fixiert und haben die Vorgaben der Heilberufsgesetze der Länder zu erfüllen.
Die Bezeichnung “Tierverhaltenstherapeutin” ist nicht geschützt und jeder kann sich so nennen. Nur tierärztliche Tierverhaltenstherapeutinnen haben tatsächlich eine universitäre staatlich anerkannte und geregelte Ausbildung und Fachprüfung.

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Was ist Verhaltensmedizin?

Ein Überblick
Verhaltenstherapie und Verhaltensmedizin umfassen vor allem die Behandlung von Verhaltensproblemen, aber auch von Verhaltensstörungen. Dazu zählen sogenanntes unerwünschtes Verhalten und Problemverhalten, welches das Zusammenleben von Mensch und Tier negativ beeinflusst oder Verhaltensstörungen, die die Lebensqualität des Tieres deutlich beeinträchtigen.
Beispiele wären die Katze, die ständig aufs Sofa pinkelt, der Hund, der immer Besucher anspringt oder das Kaninchen, das permanent ins Käfiggitter beißt.
Zur Verhaltensmedizin gehört auch die Prophylaxe, also das Verhindern von Verhaltensproblemen und Verhaltensstörungen und die Früherkennung von problematischem Verhalten und Konfliktsituationen. Denn je früher man eingreift, desto schneller und effektiver gelangt man ans Ziel…. und Probleme, die gar nicht erst entstehen, sind natürlich die besten.
Verhaltensmedizin ist also wichtig, um ein entspanntes Zusammenleben zwischen Mensch und Tier und das Wohlbefinden aller Beteiligten zu erreichen oder wiederherzustellen. Denn Umwelt, Körper und Psyche hängen eng miteinander zusammen und beeinflussen sich gegenseitig. Nicht nur beim Menschen, sondern auch bei unseren Haustieren. Wer sich schon einmal vor einer Prüfung vor lauter Aufregung übergeben musste, wird nachvollziehen können, wenn ein Hund beim ersten Hundeplatz- oder Stadtfestbesuch Gras frisst, um seinen Magen zu beruhigen. Und wenn man selbst nicht gern zum Zahnarzt geht, fühlt man sicher mit der Katze mit, die beim Tierarztbesuch in Schockstarre verfällt und vielleicht sogar in die Transportbox kotet. Wenn der Hamster aber wortwörtlich am Rad dreht und das Pferd jeden Reiter beißt und tritt, hört das Verständnis meistens auf. Es kommt zu Spannungen und schlechter Stimmung und mit der Zeit werden die Probleme größer. All das muss aber nicht sein!
Die Arbeit einer Verhaltenstierärztin reicht von Haltungsberatung und Aufzucht-Tipps über Tierarzttraining und Welpenstunde bis hin zum gezielten Training zur Veränderung eines Problemverhaltens oder einer Verhaltensstörung. Dabei kommen Managementmaßnahmen, also Änderungen in der Haltung, der Alltagsstruktur, der Fütterung und Ähnliches genauso wie Therapiepläne mit Trainingseinheiten und ggf. Medikamente zum Einsatz.
Auch das Einschätzen der Gefährlichkeit eines Hundes, das Verfassen von Gutachten und die Abnahme von Sachkunde- und Hundeführerscheinprüfungen fallen, je nach Bundesland, in den Aufgabenbereich eines Verhaltenstierarztes.
Damit unterscheiden sich Verhaltenstierärztinnen auch von Tierverhaltenstherapeutinnen, Verhaltensberaterinnen oder Trainerinnen.
Spezialisierte Tierärztinnen verfügen über das nötige Hintergrundwissen und die nötigen Befugnisse, um auch diejenigen Teile der Verhaltensmedizin abzudecken, die von anderen Therapeutinnen nicht behandelt werden können. Zum Beispiel die Einschätzung des allgemeinen Gesundheitszustandes des Tieres, das Erkennen von Zusammenhängen zwischen Körper und Psyche sowie der Einsatz von unterstützenden Medikamenten.
Dennoch sind Verhaltensberaterinnen und Tiertrainerinnen, z.B. im Hundetraining, wichtige Partner, da vielen Tieren die nötige Trainingsgrundlage fehlt, sodass eine Zusammenarbeit mit Tiertrainerinnen hinsichtlich Erziehungskursen, Grundlagentraining und speziellen Einzelstunden essentiell ist. Nicht zuletzt können sie dann das regelmäßige Training in Zusammenarbeit mit einer Verhaltenstierärztin über eine längere Zeit durchführen und begleiten.

Bei welchen Themen kann eine Verhaltenstierärztin behilflich sein?

Eine Auflistung
Nachfolgend finden Sie eine Auflistung verschiedener Themen, bei denen Ihnen eine Verhaltenstierärztin behilflich sein kann:
  • Haltungsberatung
  • Beratung vorm Einzug eines neuen Haustieres
  • Tierarzttraining
  • psychisch bedingte körperliche Beschwerden (Reizmagen, Stressdurchfall, Belecken/Haarverlust, Frustfressen, Futterverweigerung, vermehrter Harndrang…)
  • Unsauberkeit
  • Kratzmarkieren
  • hormonell bedingte Verhaltensänderungen (Probleme während der Läufigkeit/Scheinträchtigkeit/Trächtigkeit, Umherstreunen, Hypersexualität, Probleme bei Schilddrüsenunterfunktion…)
  • aufmerksamkeitsforderndes Verhalten (Anspringen, Anstupsen, Anbellen, Beknabbern…)
  • Epilepsie-bedingte oder epileptiforme Verhaltensänderungen
  • Angst (vor Artgenossen, vor Menschen, Geräuschangst, Trennungsangst, Tierarztphobie…)
  • Aggressionsverhalten (schmerzbedingt, krankheitsbedingt, angstbedingt, gegenüber Artgenossen, gegenüber Menschen…)
  • unerwünschtes Jagdverhalten (wenn andere Tiere oder aber auch Jogger, Autos etc. gejagt werden…)
  • zwanghaftes Verhalten (Besaugen/Belecken/Beknabbern von Gegenständen, Schwanzjagen, Schattenjagen, Fliegenschnappen, Fellrupfen, Fressen ungeeigneter Gegenstände)
  • altersbedingte Verhaltensänderungen (Ängstlichkeit, Verwirrtheit, nächtliche Unruhe, Lautäußerungen…)
  • Zusammenleben Tier & Kind
  • Vergesellschaftung von Artgenossen
  • Vergesellschaftung verschiedener Tierarten
  • Kastrationsberatung

Wie läuft eine Verhaltenstherapie ab?

Ablauf und Elemente einer verhaltensmedizinischen Therapie
Die Erstellung der Diagnose ähnelt einem Puzzle. Noch vor dem Erstgespräch werden Puzzleteile mit vorab zugesandten Fragebögen und, wenn bereits vorhanden, Befunden zu gesundheitlichen Aspekten gesammelt.
Videos und Fotos, in denen sowohl das Problemverhalten (das dafür aber keinesfalls gezielt provoziert werden soll!) als auch Alltagssituationen und die Umwelt des Tieres zu sehen sind, sind sehr hilfreich, um ein vollständiges Bild der Situation zu bekommen. Im Erstgespräch werden dann die Details des Problems besprochen und weitere Puzzleteile gesammelt. Das Bild wird immer deutlicher und eine erste Diagnose wird gestellt, gegebenenfalls sind auch noch weitere Untersuchungen z.B. im Hinblick auf die physische Gesundheit nötig. Im Laufe der ersten Therapiemaßnahmen kommen häufig noch weitere Puzzleteile dazu. Dadurch wird eine gezielte und individuelle Therapie ermöglicht, die an verschiedenen Bereichen ansetzt.
Das Ziel der Therapie ist die Lebensqualität von Tier und Mensch zu verbessern. Eine wichtige Grundlage ist dabei die Behandlung physischer Erkrankungen, wie z.B. gastrointestinale Probleme, hormonelle Störungen und die Reduktion von Schmerzen. Stressmanagement mit vorübergehender Vermeidung von Stressoren sowie eine bedürfnisgerechte Haltung und positive soziale Interaktionen stärken das Wohlbefinden und die mentale Anpassungsfähigkeit des Tieres. Die mentale Anpassungsfähigkeit kann zusätzlich durch Futterergänzungen und Psychopharmaka verbessert werden. Insbesondere wenn gewisse Stressoren unvermeidbar sind, z.B. verschiedene furchtauslösende Reize wie Verkehr, Menschen oder Artgenossen, helfen Psychopharmaka die Schwelle für Stress zu erhöhen. Man kann sie als eine Art Schutzschild sehen, das Angst verringert, die Stimmung verbessert und das Tier resilienter macht. Das Tier kann unvermeidbare Stressoren dann besser tolerieren und erholt sich schneller; was auch den Erfolg zusätzlicher trainerischer Maßnahmen erhöht.
Ein gestärktes Wohlbefinden ist die Basis für nachhaltige Verhaltensänderungen. Nur dann kann durch gezieltes Training erwünschtes Verhalten geformt und nachhaltig gefestigt werden. Training durch positive Bestärkung ist ein wesentlicher Bestandteil der verhaltensmedizinischen Therapie. Statt Strafen oder Korrekturen zu verwenden, wird das Verhalten des Tieres durch Belohnung verändert. Dies stärkt das Vertrauen zwischen Tier und Halterin und sorgt für eine positive Lernumgebung, in der sich das Tier sicher fühlen kann. Sich in seiner Umgebung sicher zu fühlen ist ein wesentlicher Aspekt für eine erfolgreiche Therapie! Positive Bestärkung trägt nicht nur zur Verbesserung des Verhaltens bei, sondern fördert auch das emotionale Gleichgewicht und die soziale Bindung, wodurch Angst, Furcht, Frustration und Stress reduziert werden. Ein Tier, das durch positive Verstärkung trainiert wird, ist motivierter eine enge Beziehung zu seinen Menschen aufzubauen und den Menschen als relevanten und Sicherheit vermittelnden Partner zu sehen.

Liste weiterer Infos/Downloads/Links

Kaufen Sie keine Hunde über das Internet oder von unseriösen Händlern!

Wir geben Ihnen Tipps für die Anschaffung eines Welpen.

Der Blaue Hund

Der Blaue Hund steht für ein länderübergreifendes Projekt aus der Hundebiss-Prävention mit dem Ziel, Bissverletzungen bei Kindern zwischen 3 und 6 Jahren zu verhindern.

Beißt der?

Das Schulhunde-Projekt von Dr. Hildegard Jung in Kooperation mit dem Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus.

Berufsverband der Hundeerzieher/innen und Verhaltensberater/innen e.V.

Mit Informationen, Ausbildungen und Bildungsangeboten für Hundehaltende.

Internationaler Berufsverband der Hundetrainer:innen und Hundeunternehmer:innen (IBH) e.V.

Suchfunktion für Hundeschulen, Dogwalker, Hundepensionen oder anderen Dienstleistungen.

Tiere helfen Menschen e.V.

Der Verein hilft Menschen mit Behinderung, Krankheit und belastenden Lebenssituationen durch die Therapie mit Tieren.

Deutsche Tierschutzbund e.V.

Dachorganisation der Tierschutzver­eine und Tierheime.

Verband für das Deutsche Hundewesen e.V.

Dachverband für Hundezucht und Hundesport in Deutschland.

Jagdgebrauchshundverband e.V.

Dachverband für das gesamte Jagdgebrauchshundwesen.

Deutsche Reiterliche Vereinigung e.V.

Dachverband aller Züchter, Reiter, Fahrer und Voltigierer in Deutschland.