Beispiele wären die Katze, die ständig aufs Sofa pinkelt, der Hund, der immer Besucher anspringt oder das Kaninchen, das permanent ins Käfiggitter beißt.
Zur Verhaltensmedizin gehört auch die Prophylaxe, also das Verhindern von Verhaltensproblemen und Verhaltensstörungen und die Früherkennung von problematischem Verhalten und Konfliktsituationen. Denn je früher man eingreift, desto schneller und effektiver gelangt man ans Ziel…. und Probleme, die gar nicht erst entstehen, sind natürlich die besten.
Verhaltensmedizin ist also wichtig, um ein entspanntes Zusammenleben zwischen Mensch und Tier und das Wohlbefinden aller Beteiligten zu erreichen oder wiederherzustellen. Denn Umwelt, Körper und Psyche hängen eng miteinander zusammen und beeinflussen sich gegenseitig. Nicht nur beim Menschen, sondern auch bei unseren Haustieren. Wer sich schon einmal vor einer Prüfung vor lauter Aufregung übergeben musste, wird nachvollziehen können, wenn ein Hund beim ersten Hundeplatz- oder Stadtfestbesuch Gras frisst, um seinen Magen zu beruhigen. Und wenn man selbst nicht gern zum Zahnarzt geht, fühlt man sicher mit der Katze mit, die beim Tierarztbesuch in Schockstarre verfällt und vielleicht sogar in die Transportbox kotet. Wenn der Hamster aber wortwörtlich am Rad dreht und das Pferd jeden Reiter beißt und tritt, hört das Verständnis meistens auf. Es kommt zu Spannungen und schlechter Stimmung und mit der Zeit werden die Probleme größer. All das muss aber nicht sein!
Die Arbeit einer Verhaltenstierärztin reicht von Haltungsberatung und Aufzucht-Tipps über Tierarzttraining und Welpenstunde bis hin zum gezielten Training zur Veränderung eines Problemverhaltens oder einer Verhaltensstörung. Dabei kommen Managementmaßnahmen, also Änderungen in der Haltung, der Alltagsstruktur, der Fütterung und Ähnliches genauso wie Therapiepläne mit Trainingseinheiten und ggf. Medikamente zum Einsatz.
Auch das Einschätzen der Gefährlichkeit eines Hundes, das Verfassen von Gutachten und die Abnahme von Sachkunde- und Hundeführerscheinprüfungen fallen, je nach Bundesland, in den Aufgabenbereich eines Verhaltenstierarztes.
Damit unterscheiden sich Verhaltenstierärztinnen auch von Tierverhaltenstherapeutinnen, Verhaltensberaterinnen oder Trainerinnen.
Spezialisierte Tierärztinnen verfügen über das nötige Hintergrundwissen und die nötigen Befugnisse, um auch diejenigen Teile der Verhaltensmedizin abzudecken, die von anderen Therapeutinnen nicht behandelt werden können. Zum Beispiel die Einschätzung des allgemeinen Gesundheitszustandes des Tieres, das Erkennen von Zusammenhängen zwischen Körper und Psyche sowie der Einsatz von unterstützenden Medikamenten.
Dennoch sind Verhaltensberaterinnen und Tiertrainerinnen, z.B. im Hundetraining, wichtige Partner, da vielen Tieren die nötige Trainingsgrundlage fehlt, sodass eine Zusammenarbeit mit Tiertrainerinnen hinsichtlich Erziehungskursen, Grundlagentraining und speziellen Einzelstunden essentiell ist. Nicht zuletzt können sie dann das regelmäßige Training in Zusammenarbeit mit einer Verhaltenstierärztin über eine längere Zeit durchführen und begleiten.