Alle Jahre wieder – die Angst an Silvester

Zuletzt aktualisiert: 15. Juli 2026Tags: ,

Die Erinnerung an die Angst des Hundes ist in den ersten Monaten des Jahres verblasst, und jetzt fällt es einem wieder ein: da hatte sich der Hund letztes Jahr doch sehr unwohl gefühlt.

Für die Silvesternacht und die Tage davor, an denen es auch schon knallt:

  • Lassen Sie Ihren Hund nicht alleine.
  • Lassen Sie Ihren Hund draußen sicherheitshalber an der Leine, damit er nicht in Panik weglaufen kann. Wählen Sie Gassizeiten, die eher ruhig sind.
  • Ihr Hund muss die Möglichkeit haben sich dahin zurück zu ziehen, wo er sich subjektiv am wohlsten fühlen kann. Und wenn es die Gästetoilette ist – legen Sie ihm da eine Decke hin und bleiben Sie ruhig in seiner Nähe.
  • Sie dürfen und müssen ihren Hund beruhigen – aber bitte richtig. Stülpen Sie sich nicht hektisch über den Hund, sondern bieten Sie sich als ruhigen „sicheren Ort“ an. Langsames, eher massageähnliches Streicheln ist gut. Hektisches Kraulen und womöglich festhalten, wenn er sich woanders hinlegen möchte, verschlimmert eher.
  • Abgedunkelte Räume und leise Hintergrundmusik können hilfreich sein.
  • Manchen Hunden hilft es, wenn sie sich auf etwas konzentrieren können wie z.B. Suchspiele oder Tricks. Da muss man ausprobieren, was dem eigenen Hund hilft bzw. liegt.
  • Vermeiden Sie sehr aufregende und körperlich sehr anspruchsvolle Übungen, Gassigänge etc.

Helfen Medikamente?

  • Psychopharmaka heilen nicht und sind keine Dauerlösung. Aber bestimmte Präparate, auch Nahrungsergänzungsmittel, können den akuten Stress an Silvester mildern und dem Hund (oder der Katze) helfen, durch die Nacht zu kommen. Ihre Tierarztpraxis oder ein verhaltensmedizinisch tätiger Kollege/Kollegin helfen Ihnen gerne.
  • Bei bestimmten Präparaten sollte man durchaus auch schon einige Wochen vorher anfangen, sie zu geben. Auch hier werden Sie in der Tierarztpraxis gut beraten.

Was kann ich in den wenigen Wochen vor Weihnachten noch tun:

  • Trainieren Sie mit ihrem Hund das Aufsuchen einer Box (als Schutzraum). Manche Hunde fühlen sich in kleinen, umgrenzten Räumen sicherer. Die Box können Sie dann dort platzieren, wo Sie sich gemütlich daneben setzen können.
  • Trainieren Sie das Tragen von Thundershirt® oder Tellington-Körperbändern. Es gibt auch spezielle Ohrstöpsel und Kopfhörer für Hunde; auch diese sollten vorab trainiert werden, damit der Hund sie entspannt trägt.
  • Bauen Sie sich selber als Sicherheitsgeber und sicheren Ort für den Hund auf bzw. intensivieren Sie noch einmal das belohnungsbasierte Training.
  • Trainieren Sie ein Entspannungssignal, und trainieren Sie die Spiele/Tricks jetzt intensiver, die Sie an Silvester nutzen möchten.

Immer wieder gefragt: sollte ich dem Hund Alkohol geben? Die Antwort lautet: NEIN!

Einige Informationen zum Alkohol (Aussagen zu Ethanol, da das die alkoholische Verbindung ist, die in alkoholischen Getränken vorkommt):
Hinsichtlich der Wirkungsweise ist ein Analogieschluss vom Menschen auf den Hund zulässig, d.h. Alkohol wirkt im Großen und Ganzen beim Hund wie bei uns auch. Die Alkoholkonzentration im Blut (BAK) berechnet sich aus dem Alkoholgehalt des Getränks x Körpergewicht x 60 (60 da der Körper zu ca. 60% aus Wasser besteht und sich Ethanol gleichmäßig in wässriger Lösung verteilt). Abgebaut
wird ca. 0,1 Promille/Stunde.
Ab 0,3 Promille sind Anzeichen sympathischer Erregung zu bemerken, z.B. Weitstellung der Kapillaren, allgemeine euphorisierende Wirkung / 0,5-0,8 Promille: Ausfallserscheinungen in der Feinmotorik / ca. 2-3 Promille: letale Dosis.
Ethanol wirkt nicht anxiolytisch (angstlösend), sondern sedativ und hypnotisch.
Vorsicht: Alkohol setzt wie andere Sedativa auch die Wärmeregulation des Körpers außer Kraft, sodass es in kalter Umgebung zum Erfrieren kommen kann.
Ethanol ist unterhalb der letalen Dosis nicht direkt toxisch (nur bei regelmäßiger Gabe auf Dauer leberschädigend); eine toxische Wirkung kommt durch die Stoffe zustande, die außer Ethanol und Wasser noch in den Getränken enthalten sind, z.B. Fuselöle u.ä. Die sind für akute Leberschäden, toxische Wirkung auf die Augen usw. verantwortlich.
Zum Suchtfaktor gibt es beim Hund keine Studien, hier gilt auch wieder der Analogieschluss zum Menschen.
Ein Beispiel für die Verabreichung von Alkohol und die Folgen: Ein 15 kg schwerer Hund bekommt 20%igen Eierlikör nach folgender Empfehlung: 15 (Körpergewicht) x 0,4 x 100 / 20 (Alkoholanteil des Eierlikörs) = 30 ml Eierlikör. Davon einen Esslöffel (ca. 15 ml) 21.30 Uhr und einen weiteren um 23.30 Uhr.
Daraus ergeben sich folgende Werte: Alkoholmenge A: 30 ml Eierlikör x 0,2 (20% Alkoholgehalt) x 0,8 = 4,8 g Alkohol.
BAK in Promille: 4,8/15 kg KGx0,6 (Wasseranteil im Körper geschätzt) = 0,53 Promille.
Da die Menge auf zweimal verteilt wird, sind die tatsächlichen Promillewerte niedriger, trotzdem ist man immerhin an der Grenze zur Fahrtüchtigkeit angelangt, bzw. in einem Bereich in dem sich die Auswirkung von Alkohol deutlich zeigt…
Mit anderen Worten: es gibt keinen pharmakologisch-medizinisch vertretbaren Grund, dem Hund an Silvester bzw. in anderen angstauslösenden Situationen Alkohol zu geben.

Nach Silvester

  • Lassen Sie sich bei einem verhaltensmedizinisch tätigen Tierarzt/Tierärztin beraten hinsichtlich Trainingsmaßnahmen, damit das nächste Silvester entspannter wird. Denn eins ist sicher: Das nächste Silvester kommt bestimmt.

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